zurückVeröffentlicht am 6. November 2016 von Brigitte Fritzel

Achtsamkeit

Viele fragen sich, wie sie Achtsamkeit in ihrem Alltag leben können, in dem es oft drunter und drüber geht.

Was bedeutet denn Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist das bewusste Wahrnehmen von

  • inneren und äußeren Zuständen
  • Emotionen, Gefühlen
  • Handlungen und Verhaltensweisen
  • und das Wahrnehmen unserer Mitmenschen und der Umwelt.

Achtsamkeit können wir auch als stete Aufmerksamkeit bezeichnen.

Es ist ein Zustand, in dem wir alles erfassen:

  • die Blume am Wegesrand
  • die plötzliche Erinnerung an etwas
  • ein Gefühl
  • eine Emotion
  • eine Geste …

Und genau darum geht es.

Durch verschiedene Situationen mit unseren Kindern wurde mir bewusst, dass ich oft sehr unachtsam war. Wir waren fast täglich im Wald oder im Feld spazieren, und sie zeigten mir die kleine, zarte Blume am Wegesrand, über die ich einfach drüber marschiert wäre – sie nicht wahrgenommen hätte.

Eines Tages fragte mich mein Sohn, warum der eine Baum auf unserem Weg im Wald viel dicker sei als die anderen. Das hatte ich nie wahrgenommen, und ich lies mir beim nächsten Spaziergang diesen bestimmten Baum zeigen. Und was soll ich sagen? Dieser Baum war vom Umfang her fast drei Mal größer als all die anderen Bäume.

Vielleicht kennt von euch noch jemand den Zeichentrick Film „In einem Land vor unserer Zeit“ mit dem kleinen Langhals „Littlefood“. Wie immer, schauten wir den neuen Film gemeinsam mit unseren Kindern an. Am Ende fragte mich einer meiner Söhne: „Mama, warum spricht Spike in dem ganzen Film nichts?“ Ich sagte ihm, dass er bestimmt auch etwas gesprochen hat – alle würden in dem Film sprechen. Da er aber felsenfest davon überzeugt war, dass Spike nichts gesagt hätte, schaute ich mir den Film nochmal an. Und es war tatsächlich so, der kleine Spike machte nur ein paar Geräusche, hatte aber in dem ganzen Film nicht ein Wort gesprochen.

All diese Situationen führten mit dazu bei, dass ich wieder angefangen habe, bewusster und achtsamer zu sein.

Wir können Achtsamkeit mit ganz kleinen Dingen trainieren und uns ganz bewusst auf bestimmte Dinge einlassen.

Zum Beispiel morgens vor dem Aufstehen. Dehne und strecke dich mal ganz bewusst, wenn du sonst immer gleich aus dem Bett springst. Fühle in deinen Körper rein. Wie fühlt er sich bei bestimmten Bewegungen an? Wo zwickt es ein bisschen?

Welche Gedanken hast du? Sind es positive Gedanken, freust du dich auf den Tag? Oder denkst du schon wieder an Probleme und machst dir Sorgen?

Nur wenn wir unserer Gedanken bewusst wahrnehmen, können wir sie ändern. Sind deine Gedanken nicht so erfreulich und positiv, kannst du sie in erfreuliche Gedanken wandeln – eine positive Einstellung finden.

Schaut euch mal wieder ganz bewusst morgens im Spiegel an. Lächelt euch an – seid liebevoll zu euch – schaut in eure Augen. Wie sehen sie aus? Leuchten sie? Welche Farbe haben sie?

Achte darauf, was du anziehst. Welche Farbe hast du gewählt? Auch über die Farben können wir unsere Schwingung definieren. Wie fühlt sich der Stoff an, wenn er über deine Haut gleitet?

Ihr könnt euch bewusst dafür entscheiden, bestimmte Dinge ganz bewusst zu tun.

Achtet beim Essen darauf, wie es schmeckt – genießt jeden einzelnen Bissen, nehmt wahr, wie es gewürzt ist …. Manche wissen gar nicht, was sie so nebenbei einfach in sich hineinschieben.

Zwischendurch könnt ihr euch einfach auf eure Atmung konzentrieren. Atmet bewusst drei bis fünf Mal tief ein und aus.

Du freust dich über etwas? Sei dir deiner Freude bewusst. Verweile einfach etwas länger in der Freude. Das bedarf keines großen Zeitaufwandes. Aber je länger du in der Freude bleiben kannst, desto besser fühlst du dich. Dadurch sendest du die Schwingung der Freude aus und setzt wieder eine neue Ursache. Das heißt, du erfährst eine Wirkung, über die du dich wieder freuen kannst.

Wenn du zur Arbeit gehst, lausche der Natur. Hörst du einen Vogel zwitschern? Wie riecht die Luft? Wie fühlt sich der Regentropfen auf deiner Haut an? Kitzeln die Schneeflocken auf deine Nasenspitze?

Ich liebe es zum Beispiel, meinen singenden Bäumen zu lauschen. Bei einem meiner Spaziergänge mit meinem geliebten treuen Wesen, unserer Hündin Bonnie, habe ich sie entdeckt.

Es war ein lauer Sommerabend und der Wind wehte durch meine Haare. Da standen sie – mitten im Feld – eine Ansammlung von riesigen Pappeln, deren Blätter sich lustig im Wind hin und her bewegten. Ich hielt inne und lauschte dem Wind und dem Rascheln der Blätter. Freude und Leichtigkeit erfüllte mein Herz und gleichzeitig stieg ein Gefühl der Ruhe und Verbundenheit in mir auf. Ich war erfüllt, glücklich und dankbar. Noch heute spüre ich diesen glückseligen Zustand, wenn ich an meine singenden Bäume denke.

Es gibt so viele Dinge, die wir bewusst wahrnehmen können. Wir müssen uns nur zwischendurch daran erinnern.

Auch bei Situationen, die dir nicht so angenehm sind. Entscheide dich dafür, sie dir neutral anzuschauen. Schaue, was es gerade mit dir macht. Warum hast du das Gefühl? So erfährst du sehr viel über dich und bist dann auch in der Lage, es zu verändern, wenn es dir nicht gefällt. Am Anfang ist es nicht immer einfach, aber Übung macht den Meister.

Wenn du dich wieder mal mit einer Person unterhältst, entscheide dich doch diesmal dafür, einfach nur hinzuhören. Bleibe ganz bei der Person. Frage nach, gehe auf die Person ein, ohne schon wieder daran zu denken, was du jetzt gleich sagen könntest.

Ganz wichtig: Nimm dir nicht so viel Achtsamkeitsübungen auf einmal vor. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Du kannst sie jederzeit zwischendrin einbauen.

Was haben wir nun davon, wenn wir achtsam sind?

  • Wir nehmen innere und äußere Zustände klarer wahr.
  • Wir beobachten nicht nur die Umwelt, sondern auch bewusst uns und die eigenen Reaktionen.
  • Wir können die Zusammenhänge klarer erkennen.
  • Wir bewerten Situationen weniger durch Vorurteile und Glaubenssätze.
  • Durch diese Art der Wahrnehmung gelangen wir zu einer höheren Sichtweise – wir können die Situation neutral betrachten.
  • Wir können das Gute in dem Menschen / der Situation sehen.
  • Wir haben mehr Verständnis für unsere Mitmenschen und können uns leichter in die andere Person versetzen.
  • Wir werden ruhiger und gelassener.
  • So vermeiden wir Reaktionen auf der körperlichen Ebene.
  • Wir gelangen zu mehr Freude und Leichtigkeit.
  • Wir leben mehr im Hier und Jetzt.

Wenn du magst, kannst du auch einfach mal einen Tag lang auf Entdeckungsreise gehen.

Erkunde dein Umfeld, wie wenn du es gerade neu entdeckt hättest. Ein Kind weiß nicht, was ein Eis ist. Es schleckt ganz vorsichtig daran. Spürt die Kälte, nimmt den Geschmack war, entscheidet, ob es ihm schmeckt oder nicht. Es weiß nicht, wie sich ein Baum anfühlt, wie es ist, barfuß über den Rasen zu laufen, durch Pfützen zu hüpfen.

Entdecke alles neu und sei offen für Neues. Freue dich über alles, was du auf einmal wieder wahrnimmst und neu entdeckst.

Ich verrate dir jetzt noch etwas. In dem Moment, wo du wieder achtsamer mit dir und deiner Umwelt umgehst, wirst du auch mehr Achtsamkeit erfahren. Menschen nehmen dich auf einmal bewusster wahr und man geht achtsamer mit dir um.

Viel Spaß bei eurer Entdeckungsreise, gerne könnt ihr mir auch schreiben, wenn ihr Fragen habt.

Alles Liebe

eure Brigitte

 

1 Kommentar

  1. Hallo Brigitte,

    schöner Artikel. Ja, je achtsamer wir mit unserem Außen sind, je mehr wir mit den neugierigen offenen Augen eines Kindes unterwegs sind, desto achtsamer werden wir mit uns. Achtsam im außen, bewusster und verständnisvoller mit uns selbst und anderen umgehen. Dieser Weg kann nur Freiheit und Selbstliebe bringen. Andere profitieren genauso davon wir wir selbst.

    Eine unaufhaltsame Spirale nach oben nimmt ihren Anfang:-)

    Liebe ❤️ Grüße
    Petra

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