zurückVeröffentlicht am 17. Mai 2020 von Brigitte Fritzel

Desiderata

So viele Menschen werden zur Zeit von der Angst beherrscht, nicht nur durch Corona.

Fake News, Verschwörungstheorien (hiermit meine ich nicht Bedenken, Einwände und seriöse Argumente), Berichte und Videos, die oft nicht der Wahrheit entsprechen, um Angst und Schrecken zu verbreiten, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Friedlich angedachte Demonstrationen werden von anderen Gruppierungen bewusst genutzt, um zu manipulieren, zu provozieren und um Unruhe zu stiften….

All das trägt dazu bei, dass immer mehr Menschen gar nicht mehr wissen, was sie glauben sollen, was wahr ist – sie werden immer unsicherer und ängstlicher.

Gerade in Zeiten, wie wir sie jetzt erleben, ist es sehr wichtig, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen und sich nicht von fremdem Gedankengut beeinflussen zu lassen, das unseren Geist negativ beeinträchtigt.

Deshalb möchte ich hier gerne die Übersetzung von dem Gedicht „Desiderata“ teilen.

Desiderata

(lat. desiderare, „ersehnen“, „wünschen“ – „das Ersehnte“ oder „ersehnte Dinge“)

Geh deinen Weg gelassen im Lärm und in der Hektik dieser Zeit, und behalte im Sinn den Frieden, der in der Stille wohnt.

Bemühe dich, mit allen Menschen auszukommen, soweit es dir möglich ist, ohne dich selbst aufzugeben. Sprich das, was du als wahr erkannt hast, gelassen und klar aus, und höre anderen Menschen zu, auch den Langweiligen und Unwissenden, denn auch sie haben etwas zu sagen.

Meide aufdringliche und aggressive Menschen, denn sie sind ein Ärgernis für den Geist.

Vergleiche dich nicht mit anderen, damit du nicht eitel oder bitter wirst, denn es wird immer Menschen geben, die größer sind als du, und Menschen, die geringer sind.

Erfreue dich an dem, was du schon erreicht hast, wie auch an deinen Plänen. Bleibe an deinem beruflichen Fortkommen interessiert, wie bescheiden es auch sein mag; es ist ein echter Besitz in den Wechselfällen der Zeit.

Sei vorsichtig in deinen geschäftlichen Angelegenheiten, denn die Welt ist voller Trug. Lass dich jedoch dadurch nicht blind machen für die Tugend, die dir begegnet. Viele Menschen haben hohe Ideale, und wo du auch hinsiehst, ereignet sich im Leben Heldenhaftes.

Sei du selbst, und was ganz wichtig ist, täusche keine Zuneigung vor. Hüte dich davor, der Liebe zynisch zu begegnen, denn trotz aller Dürreperioden und Enttäuschungen ist sie beständig wie das Gras.

Nimm den Rat, den dir die Lebensjahre geben, freundlich an, und lass mit Würde ab von dem, was zur Jugendzeit gehört.

Stärke die Kraft deines Geistes, so dass sie dich schützt, wenn ein Schicksalsschlag dich trifft. Doch halte deine Phantasie im Zaum, damit sie dich nicht in Sorge versetzt. Viele Ängste wurzeln in Erschöpfung und Einsamkeit.

Übe gesunde Selbstdisziplin, doch vor allem sei gut zu dir. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne: Du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob es dir bewusst ist oder nicht: Ganz sicher entfaltet sich das Universum so, wie es ihm bestimmt ist.

Lebe daher im Frieden mit Gott, wie auch immer du ihn dir vorstellst. Und worauf du deine Anstrengungen auch richtest, was es auch ist, das du erstrebst, im lärmenden Durcheinander des Lebens sei mit dir selbst im reinen.

Trotz allen Trugs, aller Mühsal und aller zerbrochenen Träume ist die Welt doch wunderschön.

Sei heiter! Strebe danach, glücklich zu sein.

Desiderata, auch als Lebensregel von Baltimore bezeichnet, ist ein Prosagedicht des amerikanischen Rechtsanwalts Max Ehrmann (USA, deutschstämmig). Den eigentlichen original Text in englischer Sprache hat Max Ehrmann 1927 geschrieben. 1959 hat der Pfarrer der Old Saint Paul’s Church in Baltimore den Text in einem Buch mit der Sammlung seiner Pfarrbriefe veröffentlicht.

In liebevoller Verbundenheit, mögen eure Herzen mit Liebe und Frieden erfüllt sein.

Eure Brigitte