zurückVeröffentlicht am 30. November 2014 von Brigitte Fritzel

Vergeben, verzeihen – neue Sichtweisen finden

Jeder hat wahrscheinlich schon mal die Aussagen gehört „Du hast mir das angetan“ oder „Das verzeihe ich dir nie!“ Wir glauben, bestimmte Dinge wären unverzeihlich.

Wir fühlen uns verletzt, weil bestimmte Dinge gesagt oder getan bzw. nicht gesagt oder getan wurden.

Auch wenn die Erwartungen an andere, an uns selbst oder an das Leben nicht erfüllt werden, fühlen wir uns verletzt, beleidigt, betrogen und missachtet.

Oft ist es so, dass wir die Situationen, in denen wir gekränkt oder verletzt wurden, in Gedanken immer wieder durchgehen und uns immer wieder darüber ärgern. Das raubt uns Energie, unsere Lebensfreude und kann bis zur Erkrankung führen. Deshalb sollten wir unseren Mitmenschen vergeben, um uns selbst kein Leid zuzufügen.

„Sei gut zu dir und vergib den anderen.“
Buddhistische Weisheit

Von Vergebung zu reden ist sehr leicht, sie aber tatsächlich zu praktizieren, ist oft eine sehr große Herausforderung. Es erfordert von uns große Ehrlichkeit, die wahre Ursache für unsere Verletzung zu hinterfragen.

Um die wahren Ursachen zu finden, und uns das Vergeben zu erleichtern, können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Warum habe ich dieses Erlebnis mit diesem Menschen?
  • Was habe ich zu der Entstehung der Verletzung beigetragen?
  • Wann habe ich die Ursache dafür gesetzt?
  • Was verletzt mich tatsächlich? Warum ist das so?
  • Verhalte ich mich so oder so ähnlich (auch mir selbst gegenüber) und ist der andere nur ein Spiegel?
  • Zeigt mir der andere etwas, was ich selbst gerne leben möchte, aber mich nicht getraue oder was ich versuche, zu verdrängen?
  • Was ist das Gute daran?
  • Welche Erkenntnis gewinne ich dadurch?

Mit einer neuen Sichtweise auf die Situation fällt Vergebung oftmals viel leichter. Schaut euch deshalb bewusst an, was da passiert ist, warum ihr euch verletzt fühlt. So lernt ihr, das Ganze aus einer höheren Sichtweise zu betrachten, ohne dass ihr euch groß verletzt fühlt.

Um das „verletzt sein“ besser zu überwinden, können wir uns auch in die Situation des anderen hineinversetzen. So erkennen wir vielleicht, dass die Reaktion des anderen gar nichts oder nur bedingt etwas mit uns zu tun hat – also kein Grund vorliegt, das Verhalten negativ auf uns zu beziehen.

Viele Menschen setzen Verzeihen mit Gutheißen gleich, doch dem ist nicht so.

Vergeben bedeutet, verstanden zu haben, wie es zu der Situation gekommen ist, ohne sie zu bewerten. Wir befreien uns von Illusionen oder Vorstellungen, die wir uns über eine Sache oder einen Menschen gemacht haben – vergeben hat auch etwas mit Loslassen zu tun.

 

Was geschieht, wenn wir vergeben oder verzeihen?

Wenn wir einen Menschen so sein lassen können, wie er ist, statt ihn zu verurteilen, dann wird auch uns nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung das Recht zugestanden, so zu sein, wie wir es für richtig halten.

Wenn wir vergeben, gehen wir in die Bereitschaft, Frieden zwischen uns und jemand anderem zu schließen und entscheiden uns auch gleichzeitig für Frieden in uns.

„Immer wenn du jemandem verzeihst,
wächst auf unserer Welt der Friede ein Stückchen mehr.“
Natunika, Musikerin, Malerin und Autorin

Vergebung ist allerdings nicht notwendig, wenn es uns gelingt, andere erst gar nicht zu verurteilen.

Wenn wir lernen, möglichst ohne Erwartung durchs Leben zu gehen, können wir nicht mehr enttäuscht oder verletzt werden.

Ich wünsche allen friedliche und harmonische Begegnungen und die Fähigkeit, Situationen neutral und aus einer höheren Sichtweise zu betrachten.

Herzliche Grüße

eure Brigitte